Bundesratswahlen - Ein kurzer Kommentar über Zugehörigkeit und Ausgrenzung

Letzten Mittwoch wurde in der Schweiz die siebenköpfige Exekutive, der so genannte Bundesrat, vom Parlament gewählt. Für einmal gab es eine grosse Überraschung: Der umstrittene Justizminister Christoph Blocher wurde nicht wiedergewählt. An seine Stelle tritt die relativ unbekannte Eveline Widmer-Schlumpf, ebenfalls Angehörige der Schweizerischen Volkspartei (SVP).

Bereits wurden die Geschehnisse ausführlich in in- und ausländischen Medien kommentiert, deshalb möchte ich hier nur noch auf einen etwas vernachlässigten Aspekt eingehen: Kurz nach den Wahlen wurde von der SVP offiziell erklärt, die Bundesräte Samuel Schmid und Eveline Widmer-Schlumpf gehörten nicht mehr ihrer Fraktion an. Widmer Schlumpf bestätigte, dass sie in der Fraktion wenig Rückhalt habe, was aber nicht für die Partei im Allgemeinen gelte. Mit anderen Worten: Die SVP beginnt ihre eigenen Angehörigen in “richtige” SVPler und “falsche” SVPler einzuteilen. Oder literarischer nach George Orwell:

‘All animals are equal, but some animals are more equal than others.’ (Alle Tiere sind gleich, aber einige Tiere sind gleicher.)

Der dominante Teil der SVP (der so genannte Zürcher Flügel um Blocher, Maurer, Mörgeli, Brunner, etc.) hat in der Vergangenheit schon oft bewiesen, dass er die Menschen gerne in verschiedene Kategorien einteilt, von denen manche besser und manche schlechter sind. Prominentestes Beispiel: Ein Schweizer ist besser als ein Ausländer, gar keine Frage. Als naiver, mit dem SVP Weltbild nicht vertrauter Mensch, könnte man dann annehmen, dass immerhin alle Schweizer gleich seien. Aber da ist die SVP anderer Auffassung: ein eingebürgerter Schweizer darf keinesfalls auf das gleiche Niveau gehoben werden, wie ein schweizerischer Schweizer. Also doch: alle Schweizer sind gleich, aber manche Schweizer sind gleicher. (Natürlich stellt sich die Frage, ab wann man denn überhaupt als schweizerischer Schweizer gilt. Die aus dem Verhalten der SVP abgeleitete Antwort: Wann immer es ins Konzept passt; Roger Federer zum Beispiel ist ein durch und durch perfekter Schweizer. Wäre er Drogendealer statt Tennisstar, würde man natürlich auf seine südafrikanische Mutter hinweisen.)

Nun hat die SVP also begonnen Unterscheidungen dieser Art auch innerhalb der eigenen Partei zu treffen. Bundesräte Schmid und Widmer-Schlumpf sind keine richtigen SVPler mehr, ebenso wenig ihre kantonalen Parteikollegen aus Bern und Graubünden.

Und wie auf der Farm der Tiere wird der Tag kommen, an dem der Kreis der richtigen SVPler, der richtigen Bürgerlichen, der richtigen Schweizer auf eine Handvoll Leute zusammenschrumpft, deren auserlesene Ikone Ex-Bundesrat Christoph Blocher ist.

Eine These, die beim Betrachten folgender Dokumentation über die Blocher Brüder sicherlich ein wenig ihrer Kühnheit verliert.

4 Responses to “Bundesratswahlen - Ein kurzer Kommentar über Zugehörigkeit und Ausgrenzung”


  1. 1 Eva

    Vaya foto chula en la cabecera!!!

  2. 2 dr jones

    man sollte doch langsam wissen, dass man die artillerie und panzer und flugzeuge nicht in die festung mitnehmen kann. hauptsache man hat noch ein sackmesser!

  3. 3 dr jones

    übrigens, das video gibts hier: http://www.sf.tv/sf1/reporter/index.php?docid=20071205
    in etwas schönerer qualität

  4. 4 dr jones

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